Net Zero in der IKT-Branche: Integration der Kreislaufwirtschaft

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Das 21. Jahrhundert war bislang ein Zeitalter des beispiellosen Wachstums neuer Technologien; zuerst durch den Aufstieg des Internets sowie die alltägliche Nutzung von Smartphones und in jüngerer Zeit durch die Einführung von KI. Diese Ausweitung moderner Technologien hat zu einem ständig steigenden Verbrauch von Rohstoffen geführt, wodurch natürliche Ressourcen erschöpft und Emissionen produziert werden.

Die Kreislaufwirtschaft wird hierfür als ideale Lösung gepriesen, da sie die Nachfrage nach neuen Materialien minimiert und die Umweltauswirkungen der Technologie verringert. In einer Kreislaufwirtschaft sorgen Initiativen wie Wartung, Wiederverwendung, Aufarbeitung, und Recycling dafür, dass Materialien im Umlauf bleiben. Hierdurch werden der Bedarf an neuen Rohstoffen, der damit verbundene Energieverbrauch und die daraus folgenden Umweltauswirkungen reduziert.

Der aktuelle Rohstoffabbau erfordert jährlich fast doppelt so viele Ressourcen, wie die Erde produzieren kann. Verantwortungsbewusste Kunden erwarten zunehmend von Unternehmen, dass sie nachhaltig handeln und die Kernprinzipien einer Kreislaufwirtschaft übernehmen. Darüber hinaus verlangen Vorschriften wie die EU Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) von Unternehmen, dass sie über ihren Ressourcenverbrauch Bericht erstatten1. Durch die Umsetzung von Kreislaufinitiativen können Unternehmen ihre Emissionen senken und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von knappen Rohstoffen verringern, die häufig in elektronischen Geräten verwendet werden. Sie ermöglichen Unternehmen, ihre Lieferketten zu verkürzen und zu regionalisieren sowie neue Einnahmequellen zu erschließen, wie zum Beispieldurch wiederaufgearbeitete Produkte wie Smartphones. Da die Kreislaufwirtschaft den Ressourcenabbau reduziert, bietet sie erhebliche Vorteile für Natur und biologische Vielfalt und wird so zu einer tragenden Säule der Nachhaltigkeitsstrategien von IKT-Unternehmen.
 

Zentrale Faktoren

Obwohl die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft unbestritten ist, kann es für Ihre Organisation herausfordernd sein, eine solide und erfolgreiche Strategie zu entwickeln, wobei sich die Umsetzung oft noch komplexer gestaltet. Welche Faktoren entscheiden letztlich über den Erfolg oder Misserfolg Ihres Kreislaufwirtschaftsansatzes?
 

Nutzen Sie zirkuläre Geschäftsmodelle zur Emissionsreduktion

Der Umfang von krauslauforientierten Maßnahmen  sind beträchtlich. Unternehmen können beispielsweise die Lebensdauer von Produkten verlängern, indem sie Reparatur- und Wartungsdienste anbieten, Produkten durch Aufarbeitung und Wiederverkauf (wie der wachsende Markt für refurbished Smartphones zeigt) ein zweites Leben schenken oder sie in ihre Rohstoffe zurückführen, um sie wiederzuverwerten.

 

 

 

 

Kreislauforientierte Initiativen können in allen Lebenszyklusphasen eines Produktes umgesetzt werden.
Quelle: Carbon Trust; R2Pi/EU

Bei sorgfältiger Umsetzung können diese Maßnahmen zu Emissionsreduktionen führen. Allerdings kann eine Organisation, die refurbished Computer verkauft, sogar einen Nettoanstieg der Emissionen verursachen, wenn Einsparungen durch lange Transportwege oder einen emissionsintensiven Aufbereitungsprozess zunichte gemacht werden. Eine ineffektive Umsetzung bietet kaum Vorteile, vor allem wenn zirkuläre Praktiken und Design nicht vollständig im Unternehmen verankert sind.
 

Entwerfen Sie eine effektive Umsetzungsstrategie

Sobald ein Ansatz für Zirkularität definiert ist, sollte der Fokus auf dessen Umsetzung liegen. Dabei ergeben sich Fragen wie: Soll ein Hersteller smarter Geräte ein internes Aufarbeitungsteam aufbauen oder die Aufarbeitung auslagern? Eignet sich für teurere, langlebigere Netzwerkgeräte ein Leasingmodell besser als der Verkauf? Benötigen Kunden Anreize, um alte Geräte zurückzugeben?

Es ist wichtig, Zirkularität unternehmensweit zu betrachten und das gesamte Geschäftsmodell mit einzubeziehen. Eine mangelhafte Umsetzung kann sonst zu hohen Ausgaben bei begrenztem Effekt führen. Die Verlängerung der Produktlebensdauer reduziert zwar die Häufigkeit von Ersatzbeschaffungen – was intern zunächst schwer zu vermitteln sein kann –, kann jedoch bei manchen Produkten, wie beispielsweise Kopfhörern, ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal darstellen. So ermöglicht sie entweder den Verkauf zu Premium-Preisen oder, in Kombination mit einem Aufarbeitungs- und Wiederverkaufsprogramm, das Erschließen neuer Einnahmequellen, die mit kostengünstigeren Wettbewerbern konkurrieren.

Für serviceorientierte Unternehmen wie Telekommunikationsanbieter kann ein Rücknahme- und Wiederverwendungssystem für Kundengeräte der optimale Ansatz sein. Dieser Ansatz muss jedoch im Laufe der Zeit kontinuierlich erweitert und regelmäßig angewendet werden.
 

Sichern Sie sich die Unterstützung Ihrer Stakeholder

Der wichtigste Erfolgsfaktor des Kreislaufwirtschaftsmodells liegt nicht in der Strategie oder Umsetzung, sondern in der Unterstützung der gesamten Organisation. Schon vom ersten Tag an muss jede Iteration intern unterstützt werden. Diese Unterstützung  beruht darauf, dass alle Herausforderungen bei der Umsetzung erkannt und angemessen angegangen werden,sodass die erwarteten Vorteile die entstehenden Kosten übersteigen. Unternehmen sollten die Kosten der Kreislaufwirtschaft im Vergleich zu anderen Emissionsreduktionsmaßnahmen analysieren, um die kosteneffizienteste Strategie zu identifizieren. Dabei müssen die Vorteile nicht nur hinsichtlich Emissionsreduktionen, sondern auch in Bezug auf neue Wertschöpfungsketten, die Kosten des Nichthandelns und Risikominderungen quantifiziert werden.
 

Der Kreis schließt sich

Die Kreislaufwirtschaft bietet Unternehmen eine Win-win-Situation, welche gut für den Planeten ist und gleichzeitig das Geschäftsergebnis stärkt. Um ein Kreislaufwirtschaftsmodell erfolgreich einzuführen, bedarf es einer fundierten Strategie, sorgfältiger Planung zur Bewältigung der Umsetzungsherausforderungen und eines überzeugenden Arguments, um wichtige Stakeholder zu gewinnen. Carbon Trust hat bereits Organisationen in den Bereichen Mode, Technologie, Konsumgüter und weiteren Sektoren bei der Entwicklung von Kreislaufwirtschaftsstrategien unterstützt und verfügt über das nötige Fachwissen, um auch Ihrem Unternehmen zu nachhaltigem Erfolg zu verhelfen.

 


1 Eine Offenlegung ist nur erforderlich, wenn die doppelte Wesentlichkeitsbewertung den Ressourcenverbrauch als wesentlich einstuft – gemäß ESRS 1 Allgemeine Anforderungen, Erster Satz der ESRS-Entwürfe (EFRAG).